Vistamonte

Neubau Wohnhaus | Gossensass – Fertigstellung 2019

Aus einem unbewohntem Bauernhaus wird ein Mehrfamilienhaus

Natürliche Farben und Formen - inspiriert vom Bestand

Das Wohnhaus mit 6 Wohneinheiten liegt am Dorfrand von Gossensass unmittelbar anschließend an Wiesen und Weiden und mit Blick Richtung Berge.
Ausgangspunkt war ein Bestandsgebäude, das nach Leerstand von 20 Jahren eindeutige Zerfall-Merkmale aufwies. Die analytische Bestandsaufnahme des Gebäudes ergab Wasserinfiltrationen, bis hin zu einer kompletten Instabilität des Tragwerkes. Das Gebäude wäre auch mit aufwändiger Renovation nicht mehr vor dem Verfall zu retten gewesen. Auch aus diesem Grund entschied die Bauherrschaft sich für einen Abbruch und Wiederaufbau.

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Der Bestandsbau folgte in seiner städtebaulichen Anordnung einer ungeschriebenen Richtlinie, die schon vor 200 Jahren charakterisierend für dieses Baugebiet war. Städtebaulich hat sich der Weiler Gänsbichl entlang eines Stichweges Richtung Brenner entwickelt. Der Straßenbereich war stets nordseitig positioniert. Das hatte zur Folge, dass die neu entstehenden Gebäude die Hanglage Richtung Süden ausnützen konnten.
Die Erschließung erfolgte nordseitig, in einem Bereich, wo das Gelände stetig steil ansteigt. Teilweise waren die Gebäude über ein Stockwerk tief in die Erde vergraben. Diese bautypologische Ausführung ist einerseits auf die starke Höhenentwicklung zurückzuführen, andererseits hatte dies auch einen praktischen Mehrwert ergeben. Die Höhenentwicklung und das „Eingraben“ der Gebäude hatten zur Folge, dass einerseits die Erschließung der Obergeschosse bequem ohne Stufen möglich war und dass der in diesem Gebiet starke und kalte Brennerwind über das eigentliche Gebäude hinwegfegte. Die Folge war ein eigens Mikroklima: die Minimierung der Windkräfte zusammen mit der guten Besonnung vom Süden schufen neue tieferliegende Gartenbereiche, optimale Aufenthaltsbereiche mit für diesen Höhenmeter außergewöhnlichen Vegetationsformen (Marillen-, Apfelbäume und Weinreben).
Diese unscheinbare städtebauliche Charakterisierung sollte auch beim Neubau wieder mit aufgenommen werden. Das Gebäude wird analog zum Bestandsgebäude im Gelände vergraben, die Höhenentwicklung zum nordwärts gerichteten Geländeverlauf bleibt erhalten und die Windströme werden somit komplett eingedämmt. Gleichzeitig erfährt der Neubau einen tiefergelegten Gartenbereich, sowie Terrassenbereich Richtung Süden. Das abfallende Gelände garantiert unverbaubare Sicht und optimale Besonnung. An dieser Fassade ordnen sich auch alle Tagesbereiche der Wohnungen an.
Die Orientierung des Neubaus folgt jenem des Bestandgebäudes. Der Neubau wird geringfügig nach Norden verschoben, somit erreicht man eine noch bessere Ausrichtung in Bezug auf die Nachbargebäude. Die Aufnahme der historischen Orientierung und Positionierung des Gebäudes und die Wahl eines Zweispänners als Gebäudetypologie ermöglicht für jede der einzelnen Wohnungen maximal unverbaute Ausblicke in die Umgebung. Die Wohnungen erhalten somit 2-3 Fassaden in die unterschiedlichen Himmelsrichtungen mit optimaler Besonnung. Mithilfe von Sonnenstudien wurde die maximale Besonnung für alle 6 Wohneinheiten ermittelt. Auch hier spricht die ursprüngliche Positionierung des Bestandes für die Wiederaufnahme im Neubau.
Auch entsteht durch die Positionierung des Neubaus eine Verbesserung in Bezug auf Ausrichtung und Besonnung für die Nachbargebäude.
Das zentral liegende Treppenhaus ist kompakt und effizient, die Zufahrt zur Tiefgarage nützt ebenso die leichte Hanglage.
Die Formensprache mit Flachdach und raumhohen Fenstern entspricht einer modernen Architektursprache. Die Fassade in strukturiertem Rauputz und die Fensterrahmen in unbehandeltem Lärchenholz sind ein Zitat historischer Bauweise.
Der Fassadenputz des Bestandsgebäudes hat über Jahrzehnt überdauert und mit unterschiedlichen Sandzuschlägen eine charmante Patina erhalten. Diese optisch ansprechende Eigenschaft wurde als Inspiration für die neue Fassade verwendet. Anhand mehrerer Farbmuster wurde die für das Projekt passendste Farbkombination ermittelt. Da aus Kostengründen ein Sandzuschlag (Kalkputz) zu teuer gewesen wäre, wurde der Effekt imitiert, indem die erste Schicht in schwarzer Farbe verputzt wurde und die Schluss-Schicht in erdig-beiger Farbe darüber mit der Abrieb-Methode die untere Schicht erscheinen ließ.

Grundstücksfläche: 515,50 m2
Bruttogeschossfläche: 832 m2
Nettofläche Wohnen: 410 m2
Fotografie: Nilo Klotz

“Wir waren auf Anhieb begeistert von der persönlichen Betreung von Nadia und Martin und fühlen uns hier sehr wohl.”

Familie S.Wohnungsbesitzer